Geschäftsentwicklung DocMorris

Der deutsche Apothekenmarkt war geprägt vom Verfahren zum «Rezept-Bonus» vor dem Europäischen Gerichtshof. Die obersten Richter stellten fest, dass ein einheitlicher Abgabepreis für rezeptpflichtige Medikamente in Deutschland gegen den freien Warenverkehr verstösst. Mit ihrem Urteil vom 19. Oktober 2016 schufen sie für Apotheken im EU-Ausland vergleichbare Wett­bewerbs­bedingungen. Im vierten Quartal konnte DocMorris daher auch im Segment der verschreibungspflichtigen Arzneimittel auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Wachstum forciert — Die Versandapotheke DocMorris blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2016 zurück. In einem herausfordernden Umfeld stellte sie mit einem starken Wachstum ihre operative Leistungsfähigkeit unter Beweis. Der Gesamtumsatz von DocMorris konnte im Berichtszeitraum um rund 10 Prozent auf 331 Millionen Euro gesteigert werden.

Im preissensitiven Bereich der rezeptfreien Medikamente wuchs DocMorris deutlich stärker als der Markt. Getrieben von einem starken Kundenzuwachs von über 600 000 Neukunden konnte der Umsatz in diesem Segment um über 50 Prozent gesteigert werden und überschritt damit die 100-Millionen-Euro- Umsatzschwelle. Das umfassende Produktportfolio und die hohe Servicequalität überzeugen immer mehr Kunden in Deutschland. In der Verbraucherbefragung des Deutschen Instituts für Service-Qualität belegt DocMorris mit ihrem Online-Webshop den ersten Platz in der Kategorie Apotheken.

Im Segment der rezeptpflichtigen Medikamente war der Umsatz über das Gesamtjahr leicht rückläufig und verzeichnete ein Minus von rund 2 Prozent. Dämpfend wirkte sich weiterhin die 2012 erfolgte Ausdehnung der deutschen Arzneimittelpreisverordnung für verschreibungspflichtige Arzneimittel (Festpreisverordnung) auf ausländische Versandapotheken aus. Mit seinem Urteil vom 19. Oktober 2016 schuf der Europäische Gerichtshof (EuGH) für Apotheken im EU-Ausland vergleichbare Wettbewerbs­bedingungen. Für den EuGH sind Boni wieder erlaubt, da die gesetzliche Preisbindung in Deutschland gegen europäisches Recht verstösst. Für die Patienten bedeutet dies eine finanzielle Entlastung, für die Versandapotheke DocMorris wird ein Wettbewerbsnachteil kompensiert. Dadurch verzeichnete DocMorris im vierten Quartal eine Trendwende und konnte im Bereich der rezeptpflichtigen Medikamente erstmals seit dem Bonusverbot eine positive Neukundenentwicklung herbeiführen.

Deutschlandweite TV-Kampagne — Im September 2016 startete DocMorris eine deutschlandweite TV-Kampagne, die sich an dauerhaft erkrankte Pa­tienten mit einem regelmässigen Bedarf an rezeptpflichtigen Medikamenten richtet. Denn mit mehr als 20 Millionen chronisch Kranken bietet der deutsche Markt für verschreibungspflichtige Medikamente nachhaltige Wachstumsmöglichkeiten. Unter dem Claim «Medikamente allein sind nicht genug» wird der auf die Bedürfnisse der Patienten fokussierte Leistungsumfang der Versandapotheke kommuniziert – der Mensch hinter dem Medikament steht dabei im Vordergrund. Die Kampagne wie auch das Urteil aus Luxemburg werden die langfristig ausgerichtete Wachstumsinitiative der Versandapotheke DocMorris, die Anfang 2016 gestartet wurde, positiv beeinflussen. Beide Elemente werden im ersten Quartal 2017 positive Umsatzeffekte zur Folge haben.

Reaktionen auf EuGH-Urteil — Unmittelbar nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs am 19. Oktober 2016 zu Boni auf Rezept für EU-ausländische Versandapotheken (vgl. Absatz «Eu­ropäischer Gerichtshof erlaubt ‹Boni auf Rezept›» auf Seite 46) forderte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arz­neimitteln. Zudem starteten die ABDA und weitere apothekennahe Organisationen mehrere mediale Kampagnen sowie Plakat- und Unterschriftenaktionen in den Vor-­Ort-Apotheken.

Der deutsche Gesundheitsminister Hermann Gröhe legte am 12. Dezember 2016 einen Referenten­entwurf für ein Gesetz zum Verbot des Versand­handels mit verschreibungs­pflichtigen Arzneimitteln vor. Das Gesetzesvorhaben muss innerhalb der lau­f­enden Legislaturperiode verabschiedet werden, da es ansonsten im Rahmen der sachlichen Diskontinuität automatisch verfällt. Am 24. September 2017 wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Geschäftsberichts war der Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens noch offen. Das Gesetz muss vor Beschluss des Bundestags das EU-Notifizierungsverfahren durchlaufen, da es sich um ein binnenmarktrelevantes Gesetzesvor­haben handelt. Ab Zustellung haben die Kommission und die anderen Mitgliedstaaten einen Zeitraum von mindestens drei Monaten, um den notifizierten Wortlaut zu prüfen und angemessen zu reagieren.

Das EuGH-Urteil löste eine grosse Debatte aus. Im Rahmen des Verbotsvorhabens werden viele Behauptungen aufgestellt, die weder belegbar sind noch den Tatsachen entsprechen. DocMorris entschied sich daher, aktive Aufklärungsarbeit zu leisten. Mitte Dezember 2016 wurden auf der Informationsseite www.versandapotheken-kein-verbot.de Fakten und Hintergründe zum Thema gebündelt. DocMorris hält die Verbotspläne für rechtlich nicht umsetzbar. Laut Rechtsexperten gibt es hohe europa- und verfassungsrechtliche Hürden für ein nachträgliches Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten in Deutschland. DocMorris beobachtet und analysiert alle Entwicklungen und wird alle notwendigen Massnahmen einleiten.

Vorreiter beim Fälschungsschutz — DocMorris schuf in Kooperation mit dem Authentifizierer Aegate bereits die technischen Voraussetzungen für die spätestens ab Februar 2019 geforderte europaweite Echtheitsprüfung von rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Damit ist DocMorris als erste Versandapotheke in Europa in der Lage, die EU-Fälschungs­schutzrichtlinie (2011/62/EU) im Apothekenalltag umzusetzen – zum Vorteil der Patienten. Jedes einzelne Arzneimittel, das bereits vom Hersteller entsprechend EU-Vorgaben mit individuellen Sicherheitsmerkmalen und Verschlusssiegel versehen ist, kann somit geprüft werden. Die lückenlose Nachverfolgung in der Lieferkette vom Hersteller bis zur Abgabe an den Patienten ermöglicht den höchstmöglichen Schutz beim Arzneimittelkauf.