Marktumfeld

Das eidgenössische Parlament verabschiedete 2016 die Revision des Heilmittelgesetzes. Neu ist der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel fest im Gesetz verankert. Der Versand von rezeptfreien Arzneimitteln ist auch nach neuem Recht grundsätzlich erlaubt, allerdings unter derart schikanösen Voraussetzungen, dass er sich nicht wird entfalten können. Für den deutschen Markt war ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs wegweisend. Dieser erklärte die Festpreisverordnung rezeptpflichtiger Arzneimittel für EU-ausländische Versandapotheken als nicht bindend.

Marktumfeld Schweiz

Medikamentenmarkt wächst weiter — Der Medikamentenmarkt Schweiz wuchs im Jahr 2016 um 4.7 Prozent auf 5.59 Milliarden Franken zu Fabrikabgabepreisen im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Zuwachs ist insbesondere auf neue Medikamente gegen Krebs und Auto­immunkrankheiten zurückzuführen. Einen Umsatzrückgang verzeichnete die Gruppe antiviraler Mittel, insbesondere von Medikamenten gegen Hepatitis C. 2016 und 2015 fanden keine Preissenkungsrunden statt. Der Markt der kassenpflichtigen Medikamente nahm um 5.9 Prozent auf rund 4.69 Milliarden Franken zu. Der Generikamarkt umfasste
2016 ein Volumen von 666.4 Millionen Franken oder 14.2 Prozent des kassenpflichtigen Markts. Im Vergleich zu 2015 wurden wertmässig 5.7 Prozent mehr Generika verkauft.

Versandkanal stagniert — Mit einem Anteil von 51.3 Prozent waren die Apotheken der wichtigste Absatzkanal. Dieser erhöhte sich 2016 um 2.6 Prozent auf 2.87 Milliarden Franken. Während die Offizinapotheken um 2.8 Prozent zulegten, nahmen die Verkäufe über den Versandkanal lediglich um 0.5 Prozent zu. Dies ist unter anderem auf das Bundesgerichtsurteil vom 29. September 2015 zurückzuführen, das den Versand rezeptfreier Medikamente faktisch verunmöglicht hatte (vgl. folgenden Absatz «HMG-Revision verabschiedet»). Der Anteil des Bezugskanals Versand am gesamten Apothekenmarkt beträgt 8.9 Prozent.

HMG-Revision verabschiedet — In der Frühlingssession 2016 stimmten National- und Ständerat der zweiten Etappe der Revision des Heilmittelgesetzes (HMG) zu. Das revidierte Gesetz wird nach ungenutztem Ablauf der Referendumsfrist 2017 in Kraft treten. Das Parlament verankerte die Zulassung des Versands verschreibungspflichtiger Arzneimittel neu explizit im Gesetz. Des Weiteren definierte es den Begriff der Selbstdispensation gesetzlich und vereinfachte die Zulassung von Arzneimitteln teilweise. Allerdings wurde die Chance verpasst, auch für den Versand von rezeptfreien «Over-the-Counter»-Medikamenten (OTC) zeitgemässe und sinnvolle Rahmenbedingungen zu schaffen. Stattdessen hielt der Gesetzgeber an der Regelung des Bundesgerichts fest, wonach für den Versand von OTC-Produkten vor der Bestellung ein ärztliches Rezept vorzuliegen hat. Jenes Urteil vom September 2015 hatte den Onlinehandel von OTC-Medikamenten in der Schweiz faktisch zum Erliegen gebracht. Indessen wurde den Apothekern mehr Handlungsspielraum gegeben: Apothekerinnen und Apotheker können bei leichten Erkrankungen verschreibungspflichtige Medikamente direkt und ohne Vorliegen einer ärztlichen Verordnung abgeben.

Elektronisches Patientendossier in Kraft —   Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) und das entsprechende Ausführungsrecht treten 2017 in Kraft. Bis Redaktionsschluss dieses Berichts war der genaue Termin noch nicht bekannt. Damit hat jede krankenversicherte Person in der Schweiz die Möglichkeit, ihre eigenen medizinischen Daten den Gesundheitsfachpersonen ihrer Wahl über ein elektronisches Dossier zugänglich zu machen und jederzeit auf ihre Gesundheitsdaten zurückzugreifen. Das Dossier kann beispielsweise Operationsberichte, Laborbefunde oder Röntgenbilder enthalten. Welche Daten in das Dossier aufgenommen werden und wer welche Daten wann einsehen darf, bestimmen die Patientinnen und Patienten selbst. Mit dem elektronischen Patientendossier sollen die Qualität und die Sicherheit sowie die Effizienz medizinischer Behandlungen verbessert werden.

Wiederaufnahme der Überprüfung der Arzneimittelpreise — Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) konnte mit der Inkraftsetzung der entsprechenden Verordnung die dreijährliche Überprüfung der kassenpflichtigen Medikamente per 1. März 2017 wieder aufnehmen. Die Preisüberprüfung war wegen eines Bundesgerichtsentscheids ausgesetzt worden. Einzelne Pharmaunternehmen hatten gegen die Preissenkungen rekurriert. Das Bundesgericht stellte im Dezember 2015 als letzte Instanz fest, dass eine Überprüfung der Wirtschaftlichkeit einzig mittels Auslandpreisvergleich nicht zulässig ist. Künftig beruht die Preisüberprüfung systematisch auf einem Auslandpreisvergleich und einem Kosten-Nutzen- Vergleich mit anderen Medikamenten ähnlicher Wirkung, die für die Preisfestsetzung je hälftig gewichtet werden. Vorgesehen ist, jährlich jeweils einen Drittel der Arzneimittel auf der Spezialitätenliste zu überprüfen, was in den nächsten drei Jahren zu Einsparungen von rund 180 Millionen Franken führen dürfte. Zudem sieht der Bundesrat auch Massnahmen zur Senkung der Generikapreise vor.


Marktumfeld Deutschland

Marktwachstum in Deutschland 1 — Europas grösster Medikamentenmarkt Deutschland stieg 2016 um rund 4 Prozent auf 39.5 Milliarden Euro. Der Marktanteil der Apotheken beläuft sich auf 87 Prozent beziehungsweise 34.4 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte er sich um 3.4 Prozent. Die übrigen Umsätze in der Höhe von 5.2 Milliarden Euro werden über Spitäler und Kliniken generiert. Der Anteil der Versandapotheken am Apothekenmarkt beträgt rund 3 Prozent. Der Versandhandelsumsatz mit rezeptfreien Produkten 2 wuchs deutlich um 17 Prozent auf 1 556.0 Millionen Euro. Der starke Aufwärtstrend im Versandhandel resultiert aus einer höheren Nachfrage nach verschiedenen Gruppen von OTC-Arznei- und Gesundheitsmitteln. Der Anteil an rezeptfreien Arzneimitteln stieg um 13.0 Prozent auf 840.2 Millionen Euro.

1  

QuintilesIMS Marktbericht Entwicklung des deutschen Pharmamarkts vom Dezember 2016

2

OTC-Arzneimittel, Gesundheitsmittel, Kosmetik- und Körperpflege­produkte, Medizinprodukte und Präparate für die Ernährung


Europäischer Gerichtshof erlaubt «Boni auf Rezept» — Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg bestätigte am 19. Oktober 2016 mit seinem Urteil, dass Boni auf Rezept für EU-ausländische Versandapotheken zulässig sind. Das Gericht stellte fest, dass ein einheitlicher Abgabepreis für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Deutschland eine nicht gerechtfertigte Beschränkung des freien Warenverkehrs darstellt. Die Ausweitung der Festpreisbindung für rezeptpflichtige Medikamente in Deutschland auf EU-ausländische Versandapotheken aus dem Jahr 2012 verstösst gegen europäisches Recht. Grundsätzlich kann zwar eine Beschränkung des freien Warenverkehrs mit dem Schutz der Gesundheit und des Lebens gerechtfertigt werden, doch das höchste europäische Gericht sah auch keine Gründe, die diese Beschränkung rechtfertigen könnten. Apotheken aus anderen EU-Ländern wird der Zugang zum deutschen Markt erschwert, befanden die Luxemburger Richter.
 
Entwurf über Verhaltenskodex für Gesundheits-Apps vorgelegt — Für Gesundheits-Apps wird es schon bald europaweit einheitliche Qualitäts- und Datenschutzstandards geben. Die Europäische Kommission möchte bis 2017 einen Verhaltenskodex für Hersteller von Gesundheits-Apps veröffentlichen. Es geht um die Selbstverpflichtung der Hersteller zur Einhaltung von Datenschutzbestimmungen. Zudem arbeitet die Kommission an Qualitätskriterien, nach denen Gesundheits-Apps etwa zur Kontrolle der eige­nen Fitness oder des Blutdrucks künftig beurteilt werden können. Ein erster Entwurf des «Code of Conduct on privacy for mHealth apps» wurde der Artikel 29-Gruppe, einem unabhängigen Beratungsgremium der Europäischen Kommission in Fragen des Datenschutzes, zur Kommentierung vorgelegt.